Studien

Die Studienlage im Überblick

13 Studien und Übersichtsarbeiten, in einfachen Worten zusammengefasst – mit Hinweis, was sie belegen und was nicht. Jede Quelle ist über DOI und PubMed nachprüfbar.

Wie man Studien richtig liest – in 60 Sekunden
  • Labor- und Tierversuche liefern Ideen, aber keine Beweise für Menschen. Die meisten Wirkstoffe, die im Reagenzglas überzeugen, scheitern später am Menschen.
  • Beobachtungsstudien vergleichen Menschen, die viel oder wenig von etwas essen. Sie zeigen Zusammenhänge – aber Pilzesser könnten sich auch sonst gesünder verhalten.
  • Randomisierte kontrollierte Studien teilen Teilnehmende per Zufall in Gruppen ein. Nur so lässt sich Ursache und Wirkung trennen.
  • Meta-Analysen fassen mehrere Studien zusammen. Sie sind so gut wie die Studien, auf denen sie beruhen.
  • Relatives Risiko 0,66 heißt: 34 % seltener als in der Vergleichsgruppe. Das sagt nichts darüber, wie häufig etwas überhaupt ist.
Starke EvidenzCholesterin2021

Modulation of human intestinal microbiota in a clinical trial by consumption of a β-D-glucan-enriched extract obtained from Lentinula edodes

Morales D, Shetty SA, López-Plaza B, et al. Eur J Nutr. 2021;60(6):3249–3265

Studienart: Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, 52 Personen, 8 Wochen

Ergebnis: Ein Beta-Glucan-Extrakt aus Shiitake (3,5 g täglich) senkte bei leicht erhöhtem Cholesterin die Blutfette nicht – obwohl er im Labor und im Tierversuch gewirkt hatte. Er veränderte aber die Darmflora und war gut verträglich.

Aber: Ein wichtiges Beispiel dafür, dass Labor- und Tierbefunde sich am Menschen oft nicht bestätigen.

Starke EvidenzVitamin D2011

Bioavailability of vitamin D₂ from UV-B-irradiated button mushrooms in healthy adults deficient in serum 25-hydroxyvitamin D: a randomized controlled trial

Urbain P, Singler F, Ihorst G, Biesalski HK, Bertz H. Eur J Clin Nutr. 2011;65(8):965–971

Studienart: Randomisierte, placebokontrollierte Studie, 26 Personen (Uniklinik Freiburg)

Ergebnis: Vitamin D₂ aus UV-belichteten Pilzen hob den Vitamin-D-Spiegel im Blut genauso gut wie ein Vitamin-D-Präparat in gleicher Dosis.

Aber: Untersucht wurden Champignons; das Prinzip gilt für alle Pilze mit Ergosterol, auch Shiitake.

Starke EvidenzKrebs2009

Individual patient based meta-analysis of lentinan for unresectable/recurrent gastric cancer

Oba K, Kobayashi M, Matsui T, Kodera Y, Sakamoto J. Anticancer Res. 2009;29(7):2739–2745

Studienart: Meta-Analyse mit Einzelpatientendaten, 5 randomisierte Studien, 650 Patienten

Ergebnis: Lentinan – ein gereinigter Zuckerbaustein aus Shiitake, als Infusion verabreicht – verlängerte zusätzlich zur Chemotherapie das Überleben bei fortgeschrittenem Magenkrebs (Hazard Ratio 0,80, also rund 20 % geringeres Sterberisiko im Beobachtungszeitraum).

Aber: Betrifft ein intravenös gegebenes Arzneimittel aus Japan, nicht das Essen von Pilzen. Ersetzt keine Krebstherapie.

Mittlere EvidenzKrebs2021

Higher Mushroom Consumption Is Associated with Lower Risk of Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies

Ba DM, Ssentongo P, Beelman RB, Muscat J, Gao X, Richie JP. Adv Nutr. 2021;12(5):1691–1704

Studienart: Meta-Analyse von 17 Beobachtungsstudien

Ergebnis: Wer am meisten Speisepilze aß, hatte ein um 34 % niedrigeres Krebsrisiko als die Gruppe mit dem geringsten Verzehr (relatives Risiko 0,66). Am deutlichsten war der Zusammenhang bei Brustkrebs.

Aber: Beobachtungsdaten zeigen Zusammenhänge, keine Ursache. 11 der 17 Studien waren Fall-Kontroll-Studien mit Erinnerungsfehlern. Gilt für Pilze allgemein, nicht speziell Shiitake.

Mittlere EvidenzGehirn2019

The Association between Mushroom Consumption and Mild Cognitive Impairment: A Community-Based Cross-Sectional Study in Singapore

Feng L, Cheah IK, Ng MM, et al. J Alzheimers Dis. 2019;68(1):197–203

Studienart: Querschnittsstudie, 663 Menschen ab 60 Jahren

Ergebnis: Wer mehr als zwei Portionen Pilze pro Woche aß, hatte seltener eine leichte kognitive Beeinträchtigung (Odds Ratio 0,43) – unabhängig von Alter, Bildung, Bewegung und Vorerkrankungen.

Aber: Momentaufnahme ohne Zeitverlauf; Ursache und Wirkung lassen sich nicht trennen.

Mittlere EvidenzVitamin D2018

A Review of Mushrooms as a Potential Source of Dietary Vitamin D

Cardwell G, Bornman JF, James AP, Black LJ. Nutrients. 2018;10(10):1498

Studienart: Übersichtsarbeit

Ergebnis: Pilze bilden unter UV-Licht Vitamin D₂ aus Ergosterol. UV-behandelte Pilze enthalten selbst nach Lagerung und Kochen oft mehr als 10 µg Vitamin D pro 100 g – etwa den empfohlenen Tagesbedarf.

Aber: Ohne UV-Behandlung enthalten Zuchtpilze kaum Vitamin D. Ein Autor beriet früher die Pilzindustrie.

Mittlere EvidenzNebenwirkungen2017

Clinical features of shiitake dermatitis: a systematic review

Nguyen AH, Gonzaga MI, Lim VM, et al. Int J Dermatol. 2017;56(6):610–616

Studienart: Systematische Übersicht über 50 Fälle

Ergebnis: Die Shiitake-Dermatitis – juckende, striemenartige Hautausschläge – trat meist nach rohen, in 22 % der Fälle nach nur kurz gegarten Pilzen auf. Sie heilt ohne Behandlung im Schnitt nach rund 12 Tagen ab.

Aber: Selten, aber gut dokumentiert. Auslöser ist vermutlich Lentinan, das beim Durchgaren zerfällt.

Mittlere EvidenzImmunsystem2015

Consuming Lentinula edodes (Shiitake) Mushrooms Daily Improves Human Immunity: A Randomized Dietary Intervention in Healthy Young Adults

Dai X, Stanilka JM, Rowe CA, et al. J Am Coll Nutr. 2015;34(6):478–487

Studienart: Randomisierte Ernährungsstudie, 52 gesunde Erwachsene (21–41 Jahre), 4 Wochen

Ergebnis: Die Teilnehmenden aßen täglich 5 oder 10 g getrocknete Shiitake. Nach vier Wochen vermehrten sich bestimmte Immunzellen (γδ-T-Zellen um rund 60 %, NK-T-Zellen um das Doppelte) im Labortest stärker, der Antikörper sIgA im Speichel stieg und der Entzündungswert CRP sank.

Aber: Keine Placebogruppe, nur gesunde junge Menschen, kurze Dauer. Gemessen wurden Laborwerte – nicht, ob die Teilnehmenden seltener krank wurden.

Schwache EvidenzImmunsystem2019

From Bench to Bedside: Evaluation of AHCC Supplementation to Modulate the Host Immunity to Clear High-Risk Human Papillomavirus Infections

Smith JA, Mathew L, Gaikwad A, et al. Front Oncol. 2019;9:173

Studienart: Labor- und Tierstudien plus zwei Pilotstudien mit je 10 Frauen

Ergebnis: AHCC, ein Extrakt aus dem Myzel des Shiitake, wurde Frauen mit hartnäckiger HPV-Infektion gegeben. 4 von 6 (3 g täglich) bzw. 4 von 9 Frauen (1 g täglich) wurden das Virus innerhalb mehrerer Monate los.

Aber: Sehr kleine Pilotstudien ohne Kontrollgruppe – HPV-Infektionen heilen auch häufig von selbst aus. Ein Extrakt, kein Lebensmittel.

Schwache EvidenzInhaltsstoffe2017

Mushrooms: A rich source of the antioxidants ergothioneine and glutathione

Kalaras MD, Richie JP, Calcagnotto A, Beelman RB. Food Chem. 2017;233:429–433

Studienart: Laboranalyse verschiedener Speisepilze

Ergebnis: Pilze sind die reichste bekannte Nahrungsquelle für das Antioxidans Ergothionein. Die Gehalte schwanken stark je nach Art (0,15–7,27 mg pro g Trockenmasse); Shiitake liegen im oberen Bereich der Kulturpilze.

Aber: Misst Inhaltsstoffe, nicht gesundheitliche Wirkungen.

Schwache EvidenzCholesterin2016

Water-Soluble Compounds from Lentinula edodes Influencing the HMG-CoA Reductase Activity and the Expression of Genes Involved in the Cholesterol Metabolism

Gil-Ramírez A, Caz V, Smiderle FR, et al. J Agric Food Chem. 2016;64(9):1910–1920

Studienart: Labor- und Tierstudie

Ergebnis: Wasserlösliche Shiitake-Bestandteile hemmten im Labor das Enzym HMG-CoA-Reduktase – denselben Angriffspunkt, den auch Statine nutzen – und veränderten bei Mäusen Gene des Cholesterinstoffwechsels.

Aber: Eine Humanstudie mit Shiitake-Extrakt (Morales 2021) fand keine Cholesterinsenkung.

Schwache EvidenzNebenwirkungen2012

Hypersensitivity pneumonitis induced by Shiitake mushroom spores

Ampere A, Delhaes L, Soots J, et al. Med Mycol. 2012;50(6):654–657

Studienart: Fallbericht

Ergebnis: Wer Shiitake in geschlossenen Räumen züchtet, kann durch eingeatmete Sporen eine allergische Lungenentzündung entwickeln („Pilzzüchterlunge“). Mehrere Fallberichte aus Japan und Europa beschreiben das.

Aber: Betrifft fast nur Menschen, die regelmäßig in Zuchträumen arbeiten.

Schwache EvidenzInhaltsstoffe2010

Lentinus edodes: a macrofungus with pharmacological activities

Bisen PS, Baghel RK, Sanodiya BS, et al. Curr Med Chem. 2010;17(22):2419–2430

Studienart: Übersichtsarbeit

Ergebnis: Fasst Labor- und Tierstudien zu Inhaltsstoffen wie Lentinan, Eritadenin und weiteren Polysacchariden zusammen: Hinweise auf immunmodulierende, cholesterinsenkende, antimikrobielle und antioxidative Effekte.

Aber: Überwiegend präklinische Daten – gute Hypothesen, aber kein Wirknachweis beim Menschen.